Monte San Martino ai Campi Riva del Garda and Tenno

Die Ausgrabungsstätte Monte San Martino ai Campi Riva del Garda e Tenno

DER STANDORT

Der Monte San Martino erhebt sich aus der Ebene am nördlichen Gardasee auf cirka 800 Meter Höhe, in einer strategischen Lage in Bezug auf die damaligen Verbindungswege sowohl nach Norden (in die Regionen jenseits der Alpen), als auch nach Westen (in die Gegend von Brescia).

GESCHICHTE DER ARCHÄOLOGISCHEN UNTERSUCHUNGEN

Die archäologischen Untersuchungen begannen 1969, inspiriert durch eine Legende nach der ein Schatz in dem „bus de la Giana“ (die Höhle einer geheimnisvollen Waldbewohnerin) versteckt sein sollte sowie einzelner Fundstücke, die auf dem Berg zwischen 1880 und 1924 gefunden wurden. 1969 führte eine Gruppe von Amateur-Archäologen aus Pranzo unter der Leitung von Arrigo Guella und Cesare Dongilli Ausgrabungen durch. Schon bald erließ das zuständige Archäologische Amt (Soprintendenza alle Antichità delle Venezie) präzise Richtlinien für die Durchführung der Ausgrabungen. Diese galten bis 1975, als das Areal unter die Zuständigkeit des Amtes für Bodendenkmäler der autonomen Provinz Trient fiel. Ab diesem Zeitpunkt wurden auf dem Monte San Martino systematische Grabungen durchgeführt, die eine Kultstätte aus der späten Eisenzeit bis zur Römerzeit ans Licht brachten. In der Nähe befindet sich ein Dorf, das, nachdem die Kultstätte nicht mehr genutzt wurde, entstand. Im Frühmittelalter wurde auf den Überresten des Dorfes eine Kirche erbaut, die bis zur Neuzeit genutzt wurde.

VORGESCHICHTE UND FRÜHGESCHICHTE (EISENZEIT)

Die ältesten auf dem Monte San Martino freigelegten Fundstücke sind eine Beilklinge aus geschliffenem Stein die höchstwahrscheinlich der Kupferzeit (3. Jahrtausend v. Chr.) zuzuschreiben ist, und eine Pfeilspitze aus Feuerstein, die aus einem Zeitraum stammt, der von der Jungsteinzeit bis in die angehende Bronzezeit (von den letzten Jahrhunderten des 5. Jahrtausends v. Chr. bis Ende des 3. Jahrtausends v. Chr.) geht und vermutlich bei der Jagd verloren ging. Der Großteil der archäologischen Zeugnisse aus vorrömischer Zeit stammt aus der späten Eisenzeit (6. - 1. Jh. v. Chr.) und dabei vorwiegend aus der Zeitspanne zwischen dem 3. und dem 1. Jh. v. Chr. In den Jahrhunderten vor der Romanisierung interagierten im westlichen Gebiet des Gardasees zwei verschiedene Kulturkreise miteinander: die Fritzens-Sanzeno-Gruppe und die Valcamonica-Gruppe. Die Gruppen der späten Eisenzeit zeigen auf dem Monte San Martino ganz deutlich ihre Identität bei der Verwendung der einheimischen Sprache mit eigenem Alphabet und wahrscheinlich auch bei ihren Kulthandlungen im Zusammenhang mit den so genannten Brandopferplätzen, die sich ab dem 13. Jh. v. Chr. im gesamten mittleren und östlichen Alpenraum verbreiteten. Auch wenn der Name der hier verehrten Gottheit weiterhin unbekannt ist, lässt sie sich anhand der verschiedenen Opfergaben einordnen, die einerseits an Natur und Ackerbau, andererseits an die Fruchtbarkeit sowie an Geburt, Leben und Tod erinnern. Schlüssel, zum Beispiel, die Räume schließen oder öffnen können, die materielle Güter enthalten, haben in der Antike eine große symbolische Bedeutung. So ermächtigt ihr Besitz den 7 Zugang zu solch wichtigen Räumen und verleiht, im übertragenen Sinn, die Kontrolle über die Passagen im geheimnisvollen Zyklus von Leben und Tod.

DIE RÖMERZEIT

Das Heiligtum Ab Ende des 1. Jh. v.C. wird über der Kultstätte aus der Eisenzeit ein Heiligtum errichtet, das bis ins 3. Jh. besucht wird. Der Bau mit seinem mehr oder weniger rechteckigen Grundriss umfasst den höchsten Teil des Monte, dort wo die Kulthandlungen wahrscheinlich im Freien zelebriert wurden. Um diesen Bereich liegen verschiedene gemauerte Nebenräume, die sich Virtuelle Rekonstruktion des Heiligtums (studio tecnico L. Pugliese) 9 der Geländebeschaffenheit anpassen. Als erstes wurden sie entlang der West- und der Südseite gebaut. Erst später kamen andere Räume entlang der Ostseite dazu. Zugang zu diesem Areal hatte man vermutlich von Westen (Überreste eines Tors), von Süden (über eine Rampe, an deren Stelle später eine Steintreppe trat) und von Osten. Auf der Nordseite grenzt es an eine steil abfallende Felswand. Die Funktion als Heiligtum ist durch zahlreiche Kultgegenstände belegt, die im Versturz der verschiedenen Räume gefunden wurden (links neben der Treppe der sog. „große Altarraum“ und der anliegende „kleiner Raum“), oder in der Nähe des Heiligtums, wie zum Beispiel die Fragmente drei Altäre. Von der Ostseite des Heiligtums stammen zwei irdene TerrakottaStatuetten (Minerva und Venus) und zwei Fragmente von getriebenen Metallplättchen. Mutter-Kind-Figur aus einer Blei-Zinn-Legierung, 1. Jh. n. Chr. 10 Eine Bleifigur stellt eine Mutter dar, die ein Kind in ihren Armen hält. Es handelt sich wahrscheinlich um Votivgaben im Zusammenhang mit Fruchtbarkeit. Die beschriebenen Funde lassen vermuten, dass in dem Heiligtum verschiedene Gottheiten gleichzeitig verehrt wurden, bevorzugt aber Göttinnen. Es lässt sich nicht ausschließen, dass die Kulthandlungen auch einheimische Bräuche umfassten.

DAS FRÜHMITTELALTER

Das Dorf Ab dem 4.-5. Jh. wurden in der südwestlichen Zone unterhalb des Heiligtums zahlreiche Wohngebäude auf künstlichen, teilweise vorrömischen, Geländeterrassen errichtet. Die bisher untersuchten Wohnhäuser entsprechen nur einem kleinen Teil der ursprünglichen Siedlung. Weiterhin wurde in demselben Bereich ein Gebäude freigelegt, das durch seine Größe heraussticht (mindestens 24 m x 8,5 m). Diese Größe und die Irdene Terrakotta-Statue der Aphrodite pudica, 1. Jh. n. Chr. 11 Lage (es ist heute noch gut sichtbar, wenn man den Monte von der Ebene von Riva aus erreicht) lässt eine öffentliche Zweckbestimmung vermuten. Das Dorf scheint mit einer Mauer befestigt gewesen zu sein. Die Gebäude wurden im 6. Jh. sukzessive verlassen, die letzten genutzten Bereiche wurden Anfang des 7. Jh. durch einen Brand zerstört Vielleicht gehörte auch das einige Meter weiter nord-westlich stehende Gebäude zu der Siedlung: Es wurde bis ins 7. Jh. benutzt, denn auf dem Boden wurde eine Münze des byzantinischen Kaisers Herakleios (610 bis 641 n.Chr.) gefunden

DIE KIRCHE

Vermutlich bereits im 6., spätestens aber im 8.-9. Jh. wird an die Westmauer des öffentlichen Gebäudes eine kleine Kirche (7,5 m x 3,5 m) angebaut. Diese Mauer wird zur Fassade des Kultgebäudes, das damit korrekt ausgerichtet ist, mit der Apsis nach Osten und dem Eingang anfänglich auf der Nord-, später auf der Westseite. In der Kirche werden in einem engen, tiefen Schacht im Boden Reliquien aufbewahrt (cella memoriae). Die Datierung in das 8.-9. Jh. wird auf der Basis der Motive auf einigen bearbeiteten Steinen vorgenommen, die im Versturz gefunden wurden und die wohl zur liturgischen Ausstattung gehörten.

DAS SPÄTMITTELALTER

Im 12. oder 13. Jahrhundert wurde die Kirche renoviert. Außerhalb der Kirche wurden die Toten bestattet: es wurden acht Gräber gefunden, einige unmittelbar in der Erde, andere unter Verwendung grober Steinkästen. Die Kirche wird 1288 zum ersten Mal erwähnt und 1481 ausdrücklich als “San Martino sul Monte” bezeichnet. 1612 wird sie aufgegeben, wie in dem Bericht von 1750 zu lesen ist, der bei einem der regelmäßigen Besuche der Abgesandten des Bischofs erstellt wurde: im selben Schriftstück wird die Zerstörung des Gebäudes aufgrund seines schlechten Zustandes angeordnet.

UM MEHR ZU ERFAHREN

Die wichtigsten Fundstücke aus dem Areal sind in der Archäologischen Sektion des Museums von Riva del Garda (MAG) ausgestellt. Weitere Fundstücke befinden sich im Dokumentationszentrum von Pranzo di Tenno, das nach Anmeldung besichtigt werden kann: Associazione Culturale San Martino, Tel. 3403492382 oder 0464 501062. www.archeosanmartino.it

  

 

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