Austern und Wein. Ernährung der antiken Römer

Für diejenigen, welche  noch nicht die Gelegenheit  hatten, die Ausstellung "Austern und Wein. Ernährung der antiken Römer“ zu besichtigen, welche im archäologischen Gebiet von Palazzo Lodron von Trient stattfand,   kann jetzt  auch zum ersten Mal ausgestellte Fundstücke betrachten.

Ausstellung

Zum ersten Mal  werden sie der Öffentlichkeit im S.A.S.S. (Unterirdische archäologische Stätte) unter dem Platz  Cesare Battisti  präsentiert,  wo die Ausstellung neu geordnet wurde und  vom 16. Januar bis 30. September geöffnet ist.

Es ist ja bekannt, dass die Tafel der antiken wohlhabenden  Römer  üppig und voller Delikatessen gedeckt war. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass man auch in Tridentum -  die Stadt Trient, welche im ersten Jahrhundert b.C.  gegründet wurde, reiche und besondere Speisen verkostete.

Dies bezeugen die Fundstücke welche die  Archäologen im Untergrund der Stadt und in anderen Orten  der Region Trentino entdeckten.

Gegenstände welche zum großen Teil noch nicht veröffentlicht wurden und zum ersten Mal dem Publikum  in der Ausstellung "Austern und Wein.Ernährung der antiken Römer“ vorgestellt werden.

Die Ausstellung wird am Samstag, den  19. September um 17.00 Uhr eröffnet und   wirft somit einen Blick auf die Ernährungsgewohnheiten und die Küche  in der Römerzeit an den Ufern der Etsch.

Die archäologischen Forschungen in Trentino in den letzten Jahren, vor allem in der Hauptstadt und der Gardaebene, geben uns  wichtige Informationen über den Prozess der Romanisierung unseres Territoriums wieder.

Und gerade diese Entdeckungen haben die Ausstellung inspiriert: Küchengeräte und Tischausstattungen  in feiner und grober Keramik, Glas und Stein,  Utensilien aus Bronze zum kochen , datiert zwischen dem ersten und dem vierten Jahrhundert nach Christus . Aber auch Pflanzenreste wie Getreide, Hülsenfrüchte, Samen.

 

Materialien aus  unberührter Schönheit   wie die  raffinierten  Tassen und Gläser, mit einem sehr raffinierten Geschmack und welche auf eine große  handwerkliche  Fähigkeit hinweisen. Viele Kuriositäten, wie die Meeresaustern  die wahrscheinlich von der Adria kamen.

In Bezug auf Ernährung befolgte man auch   in Trentino   die Mittelmeerdiät, welche sich  hauptsächlich auf Getreide, Obst und Gemüse basierte, aber auch sehr aromatisiert und gewürzt war, wie   Marco Gavio Apicio in "De Re Coquinaria" reportiert. Die übliche Mahlzeit bestand aus Mehl und Hülsenfrüchten. Große Mengen davon wurden auch während der Ausgrabungen in einem Bauernhof in Navicello von Rovereto (vor allem Hirse und Linsen und eine  lokale Weizensorte) gefunden.

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Fast Food und Slow Food

Auf das karge Frühstück (jentaculum) mit Resten vom Vortag, Brot und Käse oder einem in Wein bzw. Wasser getunkten Keks folgte gegen Mittag eine kleine Mahlzeit, das sogenannte prandium. Meist war es ein im Stehen verzehrter Imbiss, den man an der Theke der tabernae einnahm oder von fahrenden Händlern erwarb. Er bestand aus Brot, kaltem Fleisch, Gemüse und Obst oder hartgekochten Eiern, Käse und Hülsenfrüchten. Das Ganze wurde mit einem Glas Wein besiegelt, das im Winter mit warmem und im Sommer mit kaltem Wasser verlängert wurde.

Danach konnte man sich endlich in aller Ruhe dem Abendessen (cena) hingeben. Die ganze Familie versammelte sich zu einer vollen Mahlzeit um den großen Holztisch.

Nur bei den üppigen Banketten der reichen Patrizier genossen die Teilnehmer raffinierte Menüfolgen, die ihnen auf Speisesofas (triclinium) zwischen Polstern und Stoffen liegend von den Dienern des Hauses in mundgerechten Happen serviert wurden. Unterbrochen wurden die zahlreichen Gänge durch Musik, Gesang und Wein.

In der Küche

Es gab Tontöpfe für Suppen, Fleisch und Gemüse, Stielpfannen aus Metall zum Frittieren und Zubereiten von Soßen, große Kessel zum Köcheln auf kleiner Flamme und gelochte Tonbehälter zum Dampfgaren. Zur Zubereitung der Speisen bevorzugte man den Ofen, die Glut der Feuerstelle oder heiße Asche. Die großen Backplatten, die in der Nähe der Via Prepositura in Trient gefunden wurden und aus einer Produktionsstätte aus der Zeit zwischen dem 1. und 3. Jh. n. Chr. stammen, wurden für eine Art “Betriebskantine” der Arbeiter benutzt. Der mit dicker roter Farbe undurchlässig gemachte Boden der Behälter ähnelt den heutigen Antihaft-Beschichtungen.

Sie waren für das Kochen im Ofen als auch auf der Glut geeignet und wurden für Brot, Fleisch, Bohnengerichte oder für die patinae, eine Art Eierauflauf mit verschiedenen Zutaten, verwendet. Auf einigen Stücken sieht man Reparaturen aus der Antike. Durch die Löcher an den Seiten der Risse führten die Metallklemmen, die die beiden Teile zusammenhielten.

Man benutzte Utensilien wie Schöpfkellen, Löffel, Vorlegegabeln für das Fleisch und Messer, die auch für gekochte Speisen verwendet wurden. Alle Gerichte kamen bereits klein geschnitten auf den Tisch, um sie mit den Händen essen zu können.

Der Tisch

Als Tischgeschirr benutzte man Schüsseln, Trinkbecher und Krüge aus Grobkeramik oder Teller und Schalen aus gestempelter Tonerde, während Glas und Bronze in den reichen Haushalten vorzufinden waren. Vervollständigt wurde das Essgeschirr durch Messer und Löffel aus Holz oder Metall.

Ein besonders wertvolles Fundstück aus der Gegend um Garda ist das weiße Trinkglas mit Facettenschliff, das in den rheinländischen Werkstätten hergestellt wurde und importierten Objekten aus dem Nahen Osten ähnelt.

Die Ernährung

Cerealien bildeten mit Sicherheit die wichtigste Grundnahrung und gehörten zusammen mit Wein, Öl und Soßen zu den Lebensmitteln, die - ob zu Lande oder zu Wasser - am meisten “reisten”. Diese aus der griechischen Tradition übernommene “Mittelmeer-Diät”wurde durch lokale Zutaten ergänzt. Es gab hauptsächlich vegetarische Gerichte mit dem Zusatz von Fleisch, Fisch und Eiern.

Der herbe und würzige Geschmack der antiken Küche wurde bis in die heutige Zeit überliefert durch die Rezepte von Gavius Apicius, einem Verteter der damaligen genussfreudigen und verwöhnten römischen Aristokratie.

Bei jeder Mahlzeit wurde garum, die Würzsoße aus an der Sonne fermentierten Fischen gereicht, sowie mit Wasser verdünnter Wein - ihn pur zu trinken galt als Barbarei! Der Wein wurde zudem vorher durch Siebe gegossen, um Reststoffe herauszufiltern und mit Gewürzen und Honig angereichert, um den starken Geschmack abzumildern.

An den Ufern der Etsch

Das Fragment eines Behälters mit der Aufschrift mellis (Honig) stammt vom Fundort Piazza Verzeri (ehemaliger Bellesini-Platz) in Trient. Der Abdruck von sechs großen Fässern, die im Palazzo Lodron gefunden wurden, sind ein Beispiel für die Lagerung von Weinvorräten, die vielleicht zum Verkauf bestimmt waren.

Auch in der Trienter Gegend bestand die Haupternährung aus Mehl und Hülsenfrüchten, wie schon die organischen Reste beweisen (Weizen, Dinkel, Hirse, Gerste, Roggen, Linsen, Erbsen, Ackerbohnen), die bei einer archäologischen Grabung in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Navicello bei Rovereto gefunden wurden.

Obst und Gemüse vervollständigten den Speiseplan, wie Samen und verkohlte Schalen belegen, die in der Val di Non, im Etschtal und in der Nähe von Garda gefunden wurden (Trauben, Birne, Apfel, Pfirsich, Pinienkerne, Walnüsse, Haselnüsse, Kornelkirsche und Oliven). Eher selten wurden Fleisch (Schaf, Ziege, Rind, Schwein, Geflügel) und Wild (Hase, Hirsch) sowie Süßwasserfische und Schnecken gegessen.

Den noblen und angesehenen Vertretern der oberen Schichten in der Stadt wurden besondere Speisen serviert, wie zum Beispiel die Austern von der Adria, die an der Piazza Verzeri (dem ehemaligen Bellesini-Platz) und in der Villa in der Via Rosmini gefunden wurden

Quelle:

Provincia autonoma di Trento

Soprintendenza per i beni culturali

Ufficio beni archeologici


Organisation: Soprintendenza per i beni culturali Ufficio beni archeologici