Tridentum. S.A.S.S. - im unterirdischen archäologischen Bereich des Sass

Eine Reise in den unterirdischen archäologischen Bereich, um das antike römische Tridentum zu entdecken.

Strada romana [ Ufficio beni archeologici]

Unter der Altstadt von Trient lebt das alte römische Tridentum, das Kaiser Claudius 46 n. Chr. als splendidum Municipium bezeichnete. Symbol von Tridentum ist das Areal S.A.S.S., das bei den anlässlich der Renovierung und Erweiterung des Stadttheaters Teatro Sociale (1990-2000) durchgeführten Ausgrabungen freigelegt wurde. Das große Areal umfasst öffentliche und private Räume und Gebäude: einen langen Abschnitt der östlichen Stadtmauer, einen ausgedehnten Straßenabschnitt, Teile von Häusern mit Überresten von Mosaiken, Höfe und Handwerkerläden. Das Akronym “S.A.S.S.” (Spazio Archeologico Sotterraneo del Sas) erinnert an das ehemalige Stadtviertel “Sas”, das in den 30er Jahren teilweise abgerissen wurde, um Platz für die Piazza Cesare Battisti zu schaffen. Diese Ausgrabungsstätte ist der erste, wichtige Teil des Projekts “Tridentum. Die unterirdische Stadt”, ein Netzwerk archäologischer Stätten, das den Besuchern eine spannende Entdeckungstour durch das römische Trient und sein Alltagsleben bietet.

Der S.A.S.S. ist jedoch mehr als nur eine Ausgrabungsstätte: Es finden hier auch Meetings, Konferenzen, Lehrveranstaltungen, Ausstellungen und Aufführungen statt

DIE ARCHÄOLOGISCHEN AUSGRABUNGEN

Archäologische Untersuchungen wurden an zahlreichen Stellen in der Stadt vorgenommen. Die Ausgrabung beim Teatro Sociale und in der daran anschließenden Piazza Cesare Battisti, im Herzen der Stadt, ist mit etwa 1.700 qm das größte Untersuchungsgebiet. Hier läßt sich in einer praktisch ununterbrochenen Sequenz die etwa 2000 jährige Geschichte der Stadt nachvollziehen: von der Gründung bis heute. So überlagern sich im selben Gebiet Strukturen aus römischer Zeit, aus der Spätantike und dem Frühmittelalter, das Stadtviertel aus dem Mittelalter, der Renaissancepalast, das Theater aus dem 19. Jh. und das zeitgenössische Gebäude

TRIDENTVM. Wann, wo, weshalb

Gegen Mitte des I. Jh. v.Chr. gründeten die Römer aus strategischen Überlegungen heraus eine neue Stadt: Tridentum, ein wichtiger Standort zur Kontrolle über das Etschtal, die Hauptverbindungsachse zwischen Mitteleuropa und dem Mittelmeerraum. Die Stadt entstand in einem Gebiet, in dem es noch keine Siedlungen gab, an einer Biegung der Etsch, auf dem Schwemmkegel des dort einmündenden Wildbaches Fersina

TRIDENTVM die Stadtstruktur

Tridentum hatte eine regelmäßige Stadtstruktur und war auf drei Seiten, im Süden, Osten und Westen, von einer Mauer umgeben.

Außerhalb der Mauern verlief parallel dazu ein Graben; auf der Innenseite waren die Mauern durch einen Erdwall verstärkt (weder Graben noch Erdwall sind heute noch sichtbar). Auf der Nordseite war die Stadt durch den Fluss geschützt. Die Stadtfläche umfaßte etwa 13 Hektar und wurde durch regelmäßig verlaufende, sich rechtwinklig kreuzende Strassen in rechteckige Blöcke “insulae" gegliedert. Am Ende der Hauptstrassen befanden sich die Stadttore

DIE STADTMAUER

Die Stadt war von zwei Mauern umgeben, die zu unterschiedlichen Zeiten errichtet wurden. Der erste geht auf die Gründungszeit zurück. Der zweite Mauergürtel wurde später angebaut. Es erfolgte, noch keine genaue Datierung, er stammt aber mit ziemlicher Sicherheit aus einer Zeit nach der Hälfte des 3. Jh.

In dem hier sichtbaren Abschnitt fehlt der zweite Mauergürtel. Wahrscheinlich war es in diesem Bereich notwendig geworden, den Mauerverlauf zu ändern, um auch das nahegelegene Amphitheater mit einbeziehen zu können

DER ERSTE MAUERGÜRTEL

Der älteste Mauergürtel wurde in gemischter Bauweise errichtet, d.h. in die Struktur aus Stein wurden in regelmäßigen Abständen Ziegel eingelegt. Bautechnik: Das Kernstück, ein Opus incertum, ist beidseitig verkleidet. Auf der Innenseite besteht die Verkleidung aus verschieden großen Flußsteinen, auf der Außenseite besteht sie aus sorgfältig horizontal angeordneten Steinplatten.

Stärke: 1,20 - 1,30 m. Höhe: heute 2,90 m, ursprünglich wahrscheinlich 5 - 6 m

DIE TÜRME

Auf die Stadtmauern waren in Abstimmung zu den Verkehrswegen rechteckige Türme aufgesetzt. Der Aufbau bestand aus Ziegelsteinen. An dieser Stelle wurde, wahrscheinlich beim Bau des zweiten Mauergürtels und der Eingliederung des Amphitheaters in die Stadt, der ursprüngliche Turm zu einem Stadttor umgebaut.

Auf diese Weise wurde der Zugangsweg zu dieser wichtigen öffentlichen Einrichtung verkürzt.

Ursprüngliche Maße: 7,50 m x 6 m. Überstand auf der Außenseite der Mauer 2,70 - 2,90 m

DIE STRASSEN

Die in der Stadt im Durchschnitt etwa 5 m breiten Strassen waren mit großen Pflastersteinen aus rotem Kalkstein gepflastert, die aus den nahegelegenen Steinbrüchen bezogen wurden (roter Kalkstein aus Trient). Entlang der Strassen verliefen die Bürgersteige aus gestampfter Erde.

Sie lagen etwas höher als die Strasse und waren mit Steinsockeln eingefaßt.

Über die Jahrhunderte gruben die Wagenräder stellenweise tiefe Fahrrillen in die Strassen.

Der hier gezeigte Abschnitt entspricht einer Nebenstrasse, einem etwa 6 m breiten decumanus (von Osten nach Westen verlaufende Strasse). In spätrömischer Zeit, als der Turm zu einem Stadttor umgebaut wurde, wurde die Strasse durch einen einfachen Kiesweg verlängert.

Ab dem 5. Jh. wurde das gesamte Strassenbett mit Erdschichten bedeckt

DIE KANALISATION

Die Stadt hatte eine gut gegliederte Kanalisation, in der Regen- und Abwässer aufgefangen und dann in den Graben außerhalb der Stadtmauern geleitet wurde.

Die Hauptsammelkanäle verliefen zentral unter dem Strassenpflaster. Sie bestanden aus Mauerwerk und hatten eine Innenhöhe von bis zu 1,70 m. Hier mündeten die Nebenkanäle der einzelnen Gebäude ein. Es waren auch Einstiegsschächte in die Sammelkanäle zur Instandhaltung vorhanden, die im allgemeinen Aufgabe von Sklaven oder Sträflingen war

DER HÄUSERBLOCK

Bei den archäologischen Untersuchungen wurde ein Teil eines Häuserblocks der römischen Stadt entdeckt. Die Überreste verschaffen einen Überblick über die architektonische Entwicklung durch die Jahrhunderte (l. - 6. Jh. n.Chr.).

Nach der Blütezeit des Bauwesens, die bis Ende des 2. - Anfang des 3. Jh. n.Chr. anhielt, erfaßte die politische und wirtschaftliche Krise des 5.-6. Jh. auch Tridentum. Diese Krise hatte auch Auswirkungen auf die Bautätigkeit und die Zweckbestimmung öffentlicher und privater Räume. Die Strassen wurden teilweise privatisiert und die Häuser in mehrere Einheiten mit neuen Funktionen unterteilt. Auch die Bautechnik machte “Rückschritte”: Es wurden erneut “arme Materialien” (Lehm, Holz) eingesetzt und zahlreiche Bauelemente wiederverwendet

DIE DOMUS

Hier, an der Kreuzung zwischen decumanus und cardo (von Norden nach Süden verlaufende Strasse), wurde eine große domus freigelegt (1. Jh. v.Chr. - 4./5. Jh. n.Chr.).

Sie besteht aus einer Küche, einer Latrine und einem Nebenraum, die an der einen Seite des Hofes liegen. Es folgen zwei Repräsentationsräume mit Fußbodenmosaik.

Das erste polychrome Mosaik gehörte zu einem Atrium oder Korridor und zeigt ein Wassermotiv. In der Mitte sind Überreste einer Darstellung des Meeresgottes Oceanus sichtbar.

Der zweite Boden mit schwarz-weißen, geometrischen Mustern, dessen nicht zentral gelegenes Emblem (Hauptmotiv) bei einem mittelalterlichen Brunnenbau teilweise zerstört wurde, schmückte ein Triklinium von etwa 36 qm. Ein mit hypocaustum geheizter Raum wurde später angebaut

DIE DOMUS

In der Spätantike (4. - 5. Jh. n.Chr.) wurden im Bereich der domus verschiedene Umbauten vorgenommen. Unter anderem wurde auf der Höhe des Wohnbereichs ein Portikus an den Hof angebaut. Der Fund einer großen Anzahl von Münzen aus jener Zeit sowie von vier Gewichten einer Waage unter dem Portikus läßt auf die Arbeit von Regierungsbeamten schließen, vielleicht von militärischem Rang, die hier Steuern einnahmen oder Geld wechselten

DIE HÄUSER UND IHRE HEIZANLAGEN

Bei den Römern war die Hypokausten-Heizung verbreitet. Unter den Fußböden und manchmal auch in den Wänden der zu heizenden Räumlichkeiten verliefen Leitungen, in denen Heißluft zirkulierte, die an einer Feuerstelle in einem anliegenden Heizraum erzeugt wurde. Dieses Heizsystem wurde vor allem in den öffentlichen und privaten Thermalbädern verwendet, aber in kalten Gegenden wie im Alpenraum auch in anderen Räumen der Herrenhäuser

DER HOF

Unter dem Parterre und der Bühne des Theaters wurde ein Teil eines großen Hofes freigelegt, auf dem sich ursprünglich ein Brunnen zur Wasserversorgung befand. Nach dem Bau der öffentlichen Wasserleitung gegen Ende des 1. Jh. n.Chr. wurde der Brunnen nicht mehr verwendet.

Später wurde die Fläche mit großen Platten aus rotem Kalkstein gepflastert, von denen einige erhalten sind. An den vermutlich öffentlichen Hof wurde ein Portikus angebaut, an den verschiedene Räume grenzten, die wahrscheinlich dem Handel dienten

DIE GLASEREI

Im V. - VI. Jh. n.Chr. wurde hier durch eine Neugestaltung der Räume und Zugänge auch eine kleine Werkstatt eingerichtet. Auf dem Untergrund aus Schotter und gestampfter Erde wurde aus Altmaterialien eine Brennkammer mit einem externen Abzugskanal, eine Feuerstätte und eine kreisförmige Struktur aus Ziegelsteinen errichtet. Von der Hitze verformte Glasreste, Tropfen und Schlacke weisen darauf hin, daß hier Glas verarbeitet wurde, wahrscheinlich unter Wiederverwendung alter Behälter

DIE WASSERVERSORGUNG

Tridentum war besonders reich an Wasser, das aus der Etsch, aus dem Wildbach Fersina und aus Gerinnen herunterfloss. Zunächst wurden in der Stadt Brunnen gegraben, später, im Laufe der zweiten Hälfte des 1. Jh. n. Chr. wurde ein Aquädukt gebaut, das das Wasser von den nahen östlichen Hügeln in die Stadt leitete. Von besonderer Bedeutung sind die Funde eines Abschnitts des Aquädukts in den Gärten der Piazza Venezia, von Bleirohren (fistulae) unter den Fußwegen und in den Wohnungen, hier sowie an anderen Fundstellen des alten Tridentums, sowie von Überresten von Brunnen bei der Porta Veronensis, bei Portela und im Vicolo dell’Adige

Quelle: 

Provincia autonoma di Trento

Soprintendenza per i beni culturali

Ufficio beni archeologici

Besichtbar: Ja | Geeignet für: Erwachsene - Familien - Wissenschaftler - Schulen | Zugänglich für Personen mit Behinderungen

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Von Amt für Archäologisches Erbe